Deponiegasverwertung auf den Hausmülldeponien Hailer und Hohenzell
Auch in dem nahezu sauerstofffreien Milieu im Inneren von Deponien finden biochemische Abbauprozesse statt. Dabei entsteht Sickerwasser und ein Deponiegas, das sich hauptsächlich aus Methan und Kohlendioxid zusammensetzt. Methan ist brennbar, leichtentzündlich und nach Kohlendioxid das bedeutendste Treibhausgas, wobei es 20 – 30-fach stärker wirkt als Kohlendioxid. Ohne entsprechende Maßnahmen würde das Gas entweichen, unangenehme Gerüche verbreiten und den Treibhauseffekt begünstigen. Außerdem kann sich das Deponiegas unterirdisch ausbreiten, die Wurzeln von Pflanzen schädigen und sich in Hohlräumen, z. B. Kellern von Gebäuden, sammeln, so dass die Gefahr von Verpuffungen besteht. Wegen seiner Klimaschädlichkeit und aus Sicherheitsgründen muss Methan schadlos entsorgt, d.h. abgefackelt oder zur Energieerzeugung genutzt werden.
Um bei der Beseitigung des Methans den Energiegehalt sinnvoll zu nutzen, hat der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft auf beiden Deponien Gasverwertungsanlagen errichtet. In Schlüchtern-Hohenzell wurde im Juli 1997 eine Anlage mit einer elektrischen Leistung von 190 kW in Betrieb genommen. Die Anlage in Gelnhausen-Hailer wurde in zwei Stufen im März 2000 und September 2001 installiert, sie verfügt über eine elektrische Leistung von 1227 kW.
Das Deponiegas wird zunächst getrocknet, gereinigt und anschließend in Gasmotoren in elektrische Energie umgewandelt. Zur Verminderung von Luftschadstoffen sind die Gasmotoren zusätzlich mit einem Abgasreaktor ausgestattet. Das bei der Reinigung des Deponiegases anfallende Kondensat wird in die Sickerwasserreinigungsanlage geleitet und dort mit behandelt.
Im ersten Halbjahr 2007 wurden in Gelnhausen-Hailer 3250 Megawattstunden Strom produziert, davon wurden rund 1090 Megawattstunden für den Eigenbedarf der Deponie benötigt, die verbleibenden 2160 Megawattstunden wurden in das Stromnetz eingespeist.
Durch das Fortschreiten der Arbeiten zur Abdichtung der Deponie werden die Fördermenge des Deponiegases und damit auch die produzierte Strommenge in den nächsten Jahren weiter ansteigen.
Um den Wirkungsgrad der Deponiegasverwertung zu steigern, wird seit Ende 2007 eine Wärmeauskopplung aus der Motorkühlung sowie aus der Abgaswärme nachgerüstet. Die ausgekoppelte Wärme wird durch ein Wärmeträgeröl in die Sickerwasserreinigungsanlage geleitet und dort im Dünnschichttrockner zum Eindampfen der bei der Sickerwasserreinigung anfallenden Salze verwendet. Durch die Einsparung des bislang für die Trocknung verwendeten Erdgases werden voraussichtlich klimaschädliche CO2-Emissionen in einer Menge von rund 890 Tonnen pro Jahr vermieden. Das System ist so ausgelegt, dass auch bei einem Ausfall der Gasmotoren das Deponiegas weiter zur Wärmeerzeugung verwendet wird.
Mit der Inbetriebnahme der Wärmeauskopplung ist im späten Frühjahr 2008 zu rechnen.
Deponie Gelnhausen-Hailer: Gasverwertungsanlage
Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Main-Kinzig-Kreis